Videoüberwachung der Wiener U-Bahn unwirtschaftlich

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Fri Jul 28 12:38:20 CEST 2006


Wiener Stadtverwaltung wirft Steuergelder zum Fenster hinaus

Fahrgast-Überwachung: Mittels flächendeckender Videoüberwachung wollen 
die Wiener Linien 200 Tausend Euro pro Jahr einsparen und verschwenden 
dafür 3,7 Millionen Euro.

Hatte man im Wiener Wahlkampf noch gemunkelt, dass die angekündigte 
Überwachung aller Fahrgäste lediglich die Antwort der Häupl-SPÖ auf die 
rechts-populistischen Forderungen des Wahlkämpfers Strache seien, so 
wurde man jetzt eines besseren belehrt.

Auch wenn es vielleicht möglich ist bei der Wiener U-Bahn die Weichen 
nach belieben zu stellen, üblicherweise ist rechts überholen verboten. 
Vizebürgermeister Sepp Rieder, Wirtschaftsstadtrat der Stadt Wien, 
versucht es dennoch.

Bisher standen die rechtliche Bedenken im Mittelpunkt der öffentlichen 
Diskussion, und die Datenschutzkommission hat auf Grund von rechtlichen 
Unverträglichkeiten diese Überwachungsmaßnahme schon vor Ausfahrt der 
U-Bahnen in der Remise gestoppt.

Mag. Gerhard Kunnert hat in einer ausführlichen Analyse zum Datenschutz 
in Österreich klare Widersprüche mit dem österreichischen 
Datenschutzgesetz festgestellt, und auch die breiten Öffentlichkeit 
steht dieser Maßnahme skeptisch gegenüber und verlieh bei der 
Publikumswahl den "Big Brother Awards 2005" den Wiener Linien. Dieser 
Negativpreis wurde für die testweise Einführung der Videoüberwachung verliehen.

http://www.bigbrotherawards.at/2005/Preistraeger

Dr. Sepp Rieder (SPÖ Wien) und Direktor DI Günter Steinbauer (Wiener 
Linien) haben am Mittwoch in einer Pressekonferenz den Vollausbau der 
Videoüberwachung in den Wiener Linien gefordert. Dieser Vollausbau 
kostet 3.7 Mio Euro und kann möglicherweise Vandalismus von geschätzten 
200 Tausend Euro jährlich verhindern.

Damit hat die Politik der Wiener Stadtverwaltung eine neue Facette 
hinzu bekommen. Es würde 18,5 Jahre dauern bis man aus den ersparten 
Reparaturen und Erneuerungen das Geld dieser unnötigen Investition 
zurück verdient hätte. Überwachungsanlagen haben jedoch keine 
Lebensdauer von 18.5 Jahren und führen zu steigenden Wartungs- und 
Instandhaltungskosten, sowie zu Ersatzinvestitionen. Bei PC's rechnet 
man mit einer Neuanschaffung alle 2-4 Jahre.

Rechnet man noch die Betriebskosten dieser Überwachungsmaßnahme hinzu 
stellt sich das wirtschaftliche Debakel noch klarer dar. Diese Geld 
wäre besser in modernere und saubere Zuggarnituren investiert.

Neben den rechtlichen und wirtschaftlichen Bedenken ist sogar der 
Nutzen als solches fraglich. Vergleichbare Überwachungsmaßnahmen haben 
gezeigt, dass die Erfolge nur sehr kurzfristig sind, und auf Grund des 
Gewöhnungseffektes zu rechnen ist, dass der Vandalismus nach einiger 
Zeit wieder auf das alte Niveau ansteigen wird.

Den Aussagen zufolge sei die Testüberwachung ein voller Erfolg - 
allerdings war sie das schon Jahre vor der Installation des 
Testbetriebes, denn die Kriminalität im Untergrund sank schon 2004 um 
37% und 2005 um weitere 50%.

http://www.apa.at

APA_20050125_APA0663 und APA_20050729_APA0532

Die seit 1999 verliehenen Negativpreise für grobe 
Datenschutzverfehlungen werden auch heuer wieder am 25.10. im Theater 
Rabenhof verliehen. Die Bevölkerung ist aufgerufen bis zum 20.9. unter 
http://bigbrotherawards.at/2005/Formular ihre Kandidaten zu nennen.

-- Quintessenz - Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im
Informationszeitalter http://www.quintessenz.at

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