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Date: 2015-09-14

Big Brother Awards 2015

Nicht unter Freunden

Immer mehr freundliche Helfer begleiten uns bei unseren täglichen Aufgaben. Das klobige Festnetztelefon unserer Großeltern mutierte zu einem schicken Accessoire, das mit den zahlreichen Apps zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel und ständigem Begleiter, ja Freund wurde.

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Es erscheint schon fast unvorstellbar nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein, und egal wo man gerade ist, egal was man gerade macht hilft unser kleiner Taschenfreund das die Kommunikation und der Informationsfluss nie abreißt. Natürlich ist uns allen dabei bewusst, das wenn wir unseren Freund nach der Route zu unserem nächsten Treffen fragen, das hierbei der momentane Aufenthalt ermittelt werden muss, aber welcher Freund würde dieses Vertrauen dazu missbrauchen um uns auszuspionieren. Informationen über unseren Lebensstil, unsere intimsten Gedanken und über alle unsere Freunde zu sammeln, zu analysieren in Beziehung zu setzen und zu bewerten, und das um aus unserer Beziehung Geld zu verdienen oder uns zu bevormunden und im schlimmsten Fall um uns zu verraten.

Nicht unter Freunden

Es scheint immer leichter zu werden Freunde zu finden, in Facebook & Co hat man schnell einige Hundert, ja sogar oft über Tausend Freunde. Auch der Handel reagiert auf diese Deflation des Freundschaftsbegriffes und der damit verbunden Erosion an Ethik. Statt Kunde zu sein, dem man zumindest nachgesagt hat König zu sein wird man in Freundschaftsbeziehungen gepresst. Diese aufgedrängte Freundschaft muss man dem Handel gegenüber mit einem Ausweis nachweisen, und so wundert es nicht das immer mehr Plastikkarten die Geldtaschen auf plustern. Der Käufer, der nun kein Kunde mehr ist sondern Freund ist, darf jetzt ausgefratschelt werden, wie bei den aufdringlichen Basenaweiber, die alles über jeden versuchen herauszufinden um es möglichst gewinnbringend weiter zu verwenden.

Nicht unter Freunden

Groß war die Empörung als bekannt wurde, dass sogar die Telefonate und privaten SMS der deutschen Kanzlerin ausspioniert wurden. Vielerorts kam Schadensfreude auf, weil die Spionagewahn nicht nur den normalen Bürger trifft, sondern es sogar die mächtigste Frau Europas erwischen konnte. Für den deutschen Staat war es besonders peinlich, hatte mach doch gerade viel Steuergeld aufgewendet um die Spitzen von Verwaltung und Politik vor dieser Art von Lauschangriff zu schützen, um jetzt zu erfahren das weiter jede private Einzelheit in die Datenbanken und Analysewerkstätten der amerikanischen Geheimdienste abgeflossen sind. Schmerzhaft war und ist dies, weil diese Indiskretion nicht von potentiellen Feinden, sondern von besten und wichtigsten Bündnispartner, ja vom besten außenpolitischen Freund erfolgt. Ein Einbruch in unsere Privatsphäre und digitalen Infrastruktur.

Nicht unter Freunden

"Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht", sagte Angela Merkel schon 2013, um im Sommergespräch 2015 zu bemerken, dass "Aufwand und Ertrag in kein Verhältnis steht, in keinem Vernünftigen". Nun dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, nur das wir mit bedauern feststellen müssen das zwar die Erkenntnis vorhanden aber es keine Schritte gibt dies zu verhindern. Die Antwort kann ja nicht sein, das der NSA-Untersuchungsausschuss auf mechanische Schreibmaschinen zurückgreifen muss, um vor Spionage sicher zu sein. Auch für die obersten Richter war klar, das bei der Vorratsdatenspeicherung die die man erwischen wollte gerade die sind, die sich der Überwachung entziehen können. Was also bleibt ist der Schaden für die Gesellschaft und für uns alle, denn das Vertrauen ist durch den ständigen und immer weiter wachsenden Missbrauch verloren, und so müssen wir feststellen, dass wir nicht unter Freunden sind.


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edited by Georg Markus Kainz
published on: 2015-09-14
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